Mitten in Wörthsee

Informationen zu Angelegenheiten in Wörthsee und Umgebung

Christine Setzwein

Christine Setzwein war lange Jahre die für Wörthsee und Umgebung zuständige Lokalredakteurin der Süddeutschen Zeitung. 41 Jahren war sie für die SZ tätig. Das Arbeitserhältnis und somit auch Frau Setzweins Berichterstattung aus Wörthsee endeten im September 2021 - Grund genug, den Spieß einmal umzudrehen. Hier ein Interview mit Frau Setzwein:

woerthsee-mitte.de: Wie wurden Sie die für "uns" zuständige Lokalredakteurin der SZ?


Christine Setzwein

Christine Setzwein: Wir sind 1995 nach Wörthsee gezogen. Als ich vor rund 20 Jahren nach einem Intermezzo in der SZ- Würmtalredaktion in die Starnberger Redaktion zurückkehrte, lag es auf der Hand, dass ich aus „meiner“ Gemeinde berichte.

Wo ist aus Ihrer Sicht Wörthsee wie alle anderen Gemeinden auch?

Wörthsee liegt im Speckgürtel Münchens und hat wie alle Kommunen im Fünfseenland mit dem enormen Zuzugs- und Freizeitdruck zu kämpfen. Mit hohen Mieten und Immobilienpreisen. Die Menschen kommen, um hier zu leben und um sich zu erholen, nehmen aber leider immer weniger Rücksicht auf Natur und Umwelt. Die schöne Landschaft ist Fluch und Segen zugleich.

Wo ist es anders?

Das sagt schon der Name: Wörthsee liegt an einem der schönsten und beliebtesten Seen im Umland. Es wird an schönen Tagen, ob winters oder sommers, überrannt. Im Übrigen ist eine Gemeinde ja nichts Abstraktes. Es sind die Menschen, die hier leben, die ihre Heimat bewahren, schützen und gestalten wollen, ohne sich einzuigeln. Sie machen eine Gemeinde lebendig.

Wo kriegen Sie Ihre Themen her?

Unterschiedlich. Die Redaktion erhält Einladungen zu Sitzungen, Pressekonferenzen und Veranstaltungen und entscheidet, was sie damit macht, ob sie hingeht oder nicht. Sie wird informiert über Personalien von Vereinen oder Parteien oder über Geschäfte, die schließen oder neu öffnen. Oder den Mitarbeitenden fällt etwas auf, wenn sie unterwegs sind. Und natürlich gibt es den ein oder anderen Informanten, der einem etwas steckt.

Wie frei waren Sie in Ihrer Tätigkeit?

Sehr frei. Wer diesen Job jahrzehntelang macht, weiß was zu tun ist. Es hat sich auch noch nie ein Chefredakteur über die vielen Überstunden beschwert, die Lokaljournalisten ständig machen …

Welche Vorgaben von wem mussten Sie berücksichtigen?

Natürlich gibt letztendlich der Chef oder die Chefin die Richtung vor, was in die Zeitung kommt. Aber erarbeitet wird das in der Redaktionskonferenz. Da werden Themen vorgeschlagen und angenommen oder abgelehnt. Entscheidend dabei ist nicht, was der Partei- oder Vereinsvorsitzende, der Bürgermeister oder der Landrat wollen. In die Lokalzeitung soll, was die Menschen bewegt und was sie interessiert. Die Frage muss immer lauten: Was hat unser Leser und unsere Leserin davon?

Wie wird die Tätigkeit eines Lokalredakteurs in der (Chef-)Redaktion erfasst, beobachtet und bewertet?

Die Lokalausgaben sind ein sehr wichtiger Teil der SZ. Sehr oft wird die erste Seite der Lokalausgabe noch vor der Seite 1 im Hauptblatt gelesen. Das wissen wir aus Leserumfragen. Erfasst wird die Arbeit des Lokalredakteurs nicht, niemand zählt, wie viele Artikel wir schreiben und wie lang sie sind. Was natürlich auffällt: wenn ein Artikel online besonders gut läuft. Da gibt´s dann schon mal eine lobende Erwähnung. Ansonsten gilt: Nix g´sagt ist genug gelobt…  

Wie hat Corona im letzten Jahr Ihre Tätigkeit beeinflusst?

Sehr. Wir waren seit 18. März 2020 im Homeoffice. Auch jetzt sind die Redaktionen noch nicht voll besetzt. Es fehlt der direkte, schnelle Kontakt zu den Kollegen, den können auch Online-Konferenzen nicht ersetzen. Während des ersten Lockdowns gab es überhaupt keine Veranstaltungen, trotzdem musste jeden Tag die Zeitung erscheinen. Das war eine echte Herausforderung.

Wie intensiv werden Lokalredakteure von "interessierter Seite" her bearbeitet, beackert, amateurhaft oder professionell, fair und unfair? Gab es Vereinnahmungsversuche? Wird man manchmal irgendwie "ausgetrickst"?

Klar wird versucht, Journalisten zu vereinnahmen. Und jeder, der mit seinem Projekt, seiner Meinung oder seinem Kunstwerk in die Zeitung will, will auch positiv dargestellt werden, umso mehr, als heute jeder Artikel im Netz landet. Und das Netz vergisst nichts. Umso wichtiger ist es für uns Journalisten, genau zu recherchieren, sich nicht aufs Hörensagen zu verlassen und vor allem niemanden herabzusetzen oder bloßzustellen.

Wie oft überlegt man angesichts möglicher Wirkungen, ob oder wie arg man ein Thema "hochkocht" oder andersherum "totschweigt"?

Manchmal muss man Menschen auch vor sich selber schützen, etwa wenn sie psychisch angeschlagen sind und ihr persönliches Schicksal unbedingt in der Zeitung lesen wollen.

Muss man sich manchmal rechtlichen Rat holen, bevor man zur Feder greift? Wie oft wollten Sie schreiben, aber durften aus rechtlichen Gründen nicht?

Bei kniffligen Inhalten, zum Beispiel wenn es um Persönlichkeitsrechte geht, fragen wir immer unseren Justiziar. Eine ganz schlimme Geschichte war vor vielen Jahren der Missbrauch von Schülern in einer Schule im Landkreis. Da wird dann jedes Wort des Artikels auf die Goldwaage gelegt. Die Namen von berühmten Schlagersängerinnen und Ex-Fußballern, die einen Bauantrag in Inning oder Berg stellen, schreibt die SZ auch nicht, selbst wenn wir sie natürlich kennen. Das überlassen wir anderen Blättern.

Wie vorhersehbar sind die die Reaktionen auf das, und die Auswirkungen dessen, was Sie schreiben?

Wenn ich einen Kommentar schreibe über Schwarze/Rote/Grüne/Gelbe/Blaue, in dem die Akteure aus ihrer Sicht nicht so gut wegkommen, ist mir klar, dass sie sich ärgern. Aber da müssen wir durch, das bringt die Meinungsfreiheit so mit.

Wie viel Rücklauf von Lesern aus Wörthsee kriegen Sie?

Rücklauf von Lesern gibt es in der Regel nur, wenn ihnen was nicht passt. Erstaunlich ist immer wieder, dass viele den Unterschied zwischen Bericht und Kommentar nicht kennen und dem Autor eines Meinungsstücks dann mangelnde Objektivität vorwerfen. Reaktionen auf Kommentare haben mich immer gefreut, auch wenn sie immer öfter unter der Gürtellinie waren. Dann weiß ich wenigstens, unsere Leser setzen sich mit dem auseinander, was wir schreiben. Das ist doch schön.

Wie mächtig sind Lokalredakteure?

Sie spielen auf die „Vierte Gewalt“ durch die Medien an, bei der es darum geht, durch Berichterstattung und öffentliche Diskussion das politische Geschehen beeinflussen zu können und Missstände aufzudecken. Für mich ist Macht nicht erstrebenswert. Ich sehe den Lokaljournalisten als Dienstleister, er sollte genau hinschauen, die Leser in erster Linie informieren, aber auch unterhalten. Früher konnten mehr Mauscheleien aufgedeckt werden, das traut sich heute ein Gemeinderat oder Bürgermeister kaum mehr. Der Bürger und die Bürgerin schauen genau hin, wollen mitreden und stellen Entscheidungen in Frage. Wenn der Lokaljournalist aufmerksam ist, weiß er, was die Leute bewegt, worüber sie mehr wissen möchten oder was ihnen völlig wurscht ist. Der frühere Moderator der Tagesthemen, Hans Joachim Friedrich, hat einmal gesagt: „Ein guter Journalist darf sich mit keiner Sache gemein machen, auch nicht mit einer guten!“ Aber Journalisten sind auch nur Menschen. Wenn ich über die Nachbarschaftshilfe Wörthsee berichte, weil ich meine, dass sie einen verdammt guten Job macht, mache ich mich da gemein mit ihr? Ein „Gschmäckle“ hätte das sicher, wenn ich Mitglied wäre. Aber das bin ich nicht. Ich war auch nie in einer Partei.

Welche "journalistischen Sternstunden" gab es Wörthsee betreffend?


Nicht mehr Frau Setzweins Baustelle:
Wörthsee, Kirchenwirt

Schreiben macht immer am meisten Spaß, wenn es was zu sagen gibt. Wenn es umstrittene Projekte gibt, die man begleiten kann. Die Eröffnung des „Kirchenwirts“ in Steinebach hätte ich gerne noch als Redakteurin erlebt, aber mei …  Menschen zu porträtieren, war für mich immer eine der schönsten Arbeiten.

Und wie oft wünschten Sie sich, die Zahnpasta zurück in die Tube schieben zu können?

Überhaupt nicht.

Namen wollen wir ja nicht wissen, aber haben Sie mit jemandem hier noch ein journalistisches Hühnchen zu rupfen?

Nein, meinen Job für persönliche Denkzettel zu nutzen, wäre höchst unprofessionell.

Und bei wem wäre "danke" zu sagen?

Bei all denen, die mich in den vergangen 41 Jahren, die ich bei der SZ war, kritisch und respektvoll, aber auch vertrauensvoll und wohlwollend begleitet haben.

Wie ist Ihr Verhältnis zum Merkur, zur Kollegin dort? Manchmal sitzen sie ja beide in den Gemeinderatssitzungen, um dann berichten zu können. Es scheint nicht so zu sein, dass Sie sich zur Arbeitsvereinfachung auf ein System abwechselnder Stallwachen und dann Querinformation geeinigt haben.

Haben wir auch nicht. SZ und Merkur sind eigene Redaktionen, und jede hat ihre eigenen Vorstellungen, was und wie berichtet wird. Aber wir pflegen ein kollegiales, manchmal sogar freundschaftliches Verhältnis.

Haben Sie Berührungspunkte mit Parsberger, Wochenblatt?

Nein.

Wenn Sie jetzt aufhören: In welchem Verhältnis stehen lachendes und weinendes Auge zueinander?

Das lachende überwiegt. Ich bereue keinen Tag bei der SZ, aber nach 41 Jahren ist es auch genug.  

"Ab in die Rente" oder "Auf zu neuen Ufern"?

Ich lass mich überraschen.

Bei www.woerthsee-mitte.de haben wir gerade eine Volontariatsstelle frei. Interessant für Sie für die Zeit nach der SZ?

Nein

Das überrascht uns jetzt … schade. Welche Frage, die wir nicht gestellt haben, würden Sie gerne noch beantworten?

Wollen Sie Chefredakteurin bei woerthsee-mitte werden?

Und wie ist die Antwort?  

Nein, zu schlecht bezahlt.

Wohl wahr. Es hat aber einen guten Aspekt: Volontäre werden genauso bezahlt wie Chefredakteure.

Danke für das Interview!

 

Pressespiegel:

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